Persönlichkeitsprofile nach Schulz von Thun

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Der Kommunikationspsychologe, Autor und Fernsehmoderator Friedemann Schulz von Thun erforscht seit Jahren an der Universität Hamburg den Zusammenhang zwischen Gesprächsstil und innerer Persönlichkeit. Dabei stieß er auf 8 verschiedene Grundmuster der Kontaktgestaltung, die wir immer wieder einsetzen, wenn wir miteinander reden. Hier könnt ihr eueren eigenen bevorzugten Redestil kennen lernen - und erfahren, welche geheime Selbstaussage Sie damit über sich machen.

1. Der bestimmend-kontrollierende Stil

Lieblingssatz: „Das macht man so und nicht anders!"

Bevorzugter Tonfall: nörgelnd, kritisierend

Taktik: Strenge Reglementierung und pädagogische Penetranz: „Streng dich an, das musst du heute noch schaffen!" „Wenn du dich mehr zusammenreißen würdest, könntest du pünktlich sein." „Man kann doch nicht einfach in Urlaub fahren, ohne dass ..."

Entwicklungsmöglichkeit: Mehr Offenheit für neue Einsichten gewinnen, die von innen kommen.

Neuer Redestil: Persönliche Wünsche einbringen und die Bedürfnisse des anderen wahrnehmen. Statt: „Sie sollten ..." heißt es jetzt „Mir liegt viel daran, dass wir es zusammen auf diese Art versuchen ..." - „Ich habe eine Bitte an Sie, und zwar ..."

2. Der helfende Stil

Lieblingssatz: „Keine Sorge, ich bin ganz für dich da!"

Bevorzugter Tonfall: freundlich-überlegen

Taktik: Zeigt sich stark und belastbar, wendet sich den Problemen und Nöten des Gegenübers zu, berät und umsorgt andere, weil er sich dadurch stark und kompetent fühlt.

Entwicklungsmöglichkeit: Nicht die eigene Bedürftigkeit leugnen, sondern sich Schwächen bewusst machen und mehr Kraft zur inneren Abgrenzung entwickeln.

Neuer Redestil: Abgegrenzte Anteilnahme, die dem anderen Platz lässt. „Wenn ich dir helfen kann, lass es mich bitte wissen." Bitte um Unterstützung: „Diesmal brauche ich deine Hilfe." Abschied von der eigenen Großmacht: „Das schaffe ich nicht allein." - „Da bin ich überfragt."

3. Der sich beweisende Stil

Lieblingssatz: „Schau nur, wie toll ich bin!"

Bevorzugter Tonfall: werbend

Taktik: Ruheloser Aktionismus und Angst vor Durchschnittlichkeit fördern ein angestrengtes Leistungsprofil, das andere pausenlos bestätigen sollen. Problematische Seiten werden verdrängt, Misserfolge umgedeutet oder geleugnet.

Entwicklungsmöglichkeit: Statt angespannter und imageorientierter Selbstdarstellung einfach Gelassenheit üben: durch entsprechendes Nichts-Tun, Nichts-Sagen, Nicht-Sein-Wollen.

Neuer Redestil: Ehrliche Selbstaussagen, die auch die eigene Begrenztheit umfassen können. „da bin ich im Moment schlicht überfragt." - „Das habe ich völlig falsch eingeschätzt." - „Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, tut mir leid, wir sollten abbrechen."

4. Der mitteilungsfreudig-dramatische Stil

Lieblingssatz: „Hört, hört, so bin ich!"

Bevorzugter Tonfall: pseudo-offen

Taktik: Spielt sich gerne in der Vordergrund um beachtet zu werden. Dramatisiert dabei positiv (witzig) oder negativ (gekränkt) und lenkt so von eigenem inneren Konfliktstoff ab. Sorgt dafür, dass das Gespräch um ihn kreist: „Ich bin die wichtigere Person von uns beiden."

Entwicklungsmöglichkeit: Statt selbstbezogener Redseligkeit eine „Schweigseligkeit" entwickeln, die dem anderen Raum lässt. Das Rezept heißt: Schweigepausen einlegen, und aktives Zuhören üben.

Neuer Redestil: Wichtigstes neues Element sind Fragen, die dem anderen Raum lassen: „Wie ist das für dich?" - „Kannst du damit etwas anfangen?" - „Wie erlebst du das eigentlich?" Neu ist auch, dabei in sich hineinzuhorchen und zu spüren, wie man innerlich auf etwas reagiert.

5. Der sich distanzierende Stil

Lieblingssatz: „Dazu möchte ich mich nicht äußern!"

Bevorzugter Tonfall: wortkarg und muffelig

Taktik: Übt starke Zurückhaltung, indem er sich reserviert äußert und sprachlich abgrenzt. Vermeidet Nähe, indem er seine Sprache mit Abstraktionen, Generalisierungen und „gefühlsneutralem" Vokabular schmückt: „Man kann hier ein gewisses Bedauern auf meiner Seite nicht ausschließen."

Entwicklungsmöglichkeit: Die innere Isolierung überwinden du durch innere Verbundenheit ersetzen. Sich auf den anderen einzulassen heißt nicht, ihm ausgeliefert zu sein, sondern ist Teil eines Gemeinschaftsgefühls und positiver Hingabe.

Neuer Redestil: Unbefangene Kontaktbereitschaft durch persönliche Beziehungssignale ausdrücken: „Ich freue mich, dass du dir die Zeit genommen und mir zugehört hast." - „Es fällt mir schwer, da direkt darauf zu antworten, aber ich will es versuchen."

6. Der bedürftig-abhängige Stil

Lieblingssatz: „Wie soll ich das denn bloß machen?"

Bevorzugter Tonfall: jammernd

Taktik: Stellt sich selbst als hilflos oder überfordert dar, gibt dem anderen das Gefühl, statt seiner einspringen, helfen, entscheiden oder verantworten zu müssen.

Entwicklungsmöglichkeit: Nicht die eigenen Selbsthilfekräfte leugnen, sondern Autonomie und Verantwortung üben und das als Bereicherung erfahren.

Neuer Redestil: Die Sprache der aktiven Regie und Eigenverantwortung gebraucht Sätze mit selbstbewusster Ich-Aussage: „Ich werde, ich kann, ich entscheide, ich habe beschlossen, ich schlage vor ..."

7. Der aggressiv-entwertende Stil

Lieblingssatz: „Was ist das für ein Schrott hier?"

Bevorzugter Tonfall: herausfordernd, feindselig

Taktik: Will sich durch rüden Ton und provokative Geringschätzung Respekt verschaffen und betrachtet freundliche Wertschätzung als Anbiederungsversuch von Schwächlingen. „Welcher Armleuchter hat denn das gemacht?" - „Mann, bist du wieder empfindlich!"
Entwicklungsmöglichkeit: Im Sprechen auch die eigene weiche Seite ausdrücken. Takt, Feingefühl, Rücksichtnahme, Anerkennung und Würdigung zeigen.

Neuer Redestil: Sprache der Rücksichtnahme und der echten Anerkennung, die Klarheit mit Diplomatie verbindet: „Ich hoffe, es verletzt dich nicht, wenn ich da einen wunden Punkt anspreche." - „Wenn es dir zuviel wird, machen wir eine Pause." - „Du musst mit nicht gleich antworten, lass dir Zeit."

8. Der selbstlose Stil

Lieblingssatz: „Sag, wir du mich haben willst!"

Bevorzugter Tonfall: ohne Höhen und Tiefen, „müde", gleichgültig

Taktik: Ist stark harmoniebedürftig und konfliktscheu. Wertet sich ab und den anderen auf: „Leider bin ich nicht so gebildet wie du ..." - „Ich weiß, das ist eine dumme Frage ..." - „Du sollst doch nicht extra für mich ..."

Entwicklungsmöglichkeit: Konfliktbereitschaft entwickeln und als Fähigkeit verstehen, Probleme besser klären und damit die Beziehung verbessern zu können.

Neuer Redestil: Ich-Botschaften und „Nein" sagen lernen. „Ich bin nicht bereit, dabei mitzumachen." - „Ich habe mich entschlossen, diese Aufgabe zu übernehmen." - „Auch wenn es dir nicht gefällt, ich probiere das jetzt aus."

1 Kommentar bisher

  1. Paul Buchhorn schreibt,

    6.01.07 @ 16:31

    ich bin typ 1 :(
    da muss ich wohl was tun

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